Abstraktion begegnet Figuration №2
Dorothee Schraube-Löffler und Johannes Braig

Graf-Zeppelin-Haus
Olgastraße 20, 88045 Friedrichshafen

Vernissage: Sonntag, 17. Dezember 2017, 11 Uhr
Laudatio: Andrea Dreher M.A.
Ausstellung: 17. Dezember 2017 bis 27. Januar 2018
Besichtigung: zu den Veranstaltungen und nach Vereinbarung

Kontakt:
Dorothee Schraube-Löffler: 0751.21137 oder 0160.4468961
Johannes Braig: 0151.26035340 | joh.braig @web.de




INTRODUCTION ET ALLEGRO IX – Gerhard van der Grinten für Johannes Braig

            Wer aber soll hausen in jenen Welten, wenn sie bewohnt sein sollten?
            Sind wir oder sie die Herren des Alls?
            Johannes Kepler

Der Weltenraum ist eine ziemlich ausgedehnte Sache. Und wenn da oben irgendjemand existieren sollte, mit dem ein Austausch möglich wäre, oder auch nur wünschenswert, so hindert uns an der konkreten Umsetzung der betrübliche Umstand, dass wir immer noch nicht imstande sind, uns mit WARP 4 durchs All zu bewegen, ja dass wir vermutlich nicht einmal in die Nähe der Lichtgeschwindigkeit reichen werden, was zwar rein theoretisch den Abflug in die unendlichen Weiten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat, ermöglicht, aber niemals ein Ankommen. Übrigens hätten Aliens, so sie es denn geben sollte, dasselbe Problem. Was dann die Frage, wie man mit eventuellen Kontakten umzugehen hätte, zu einem gewissermaßen akademischen Problem geraten lässt. Und wie überhaupt kommunizieren? Nehmen wir an, die außerirdische Zivilisation ist so winzig, dass der erste Astronaut, der einen Fuß auf den fremden Planeten setzt, drauftritt; Oder sie äußert sich als intelligenter Sand – stürmt der dann?; Oder sie hätte, infolge beschleunigten Stoffwechsels, die Epochenspanne eines Eintagsfliegenlebenslaufes und wäre für uns mit einem Wimpernschlag vorbei. Oder, gesetzt einen freundlichen Fall, die Fremden wollten mit uns herzlich schwadronieren, täten dies aber in Form von Mikrowellen: dann wären wir tüchtig durchgegart, ehe wir auch nur die Begrüßungsformel mitbekommen hätten. Von subtileren interkulturellen Unterschieden und fatalen Mißverständnissen einmal gar nicht erst zu reden. Denn was wir da finden könnten, wird ja nun einmal ganz gewiß nicht so aussehen oder sich aufführen, wie, sagen wir, Catrop-Rauxel.

Als Herbert George Wells sich für den epochemachenden Roman Krieg der Welten als erster seine marsianischen Invasoren vorstellte, gab er ihnen die Gestalt einer besonders intelligenten und ziemlich unterschätzten irdischen Lebensform, Tintenfischen, und die Mentalität von Hard-Core-Kolonisatoren des Britischen Empires: Einmarschieren und Ausplündern bei gleichzeitigem völligen Fehlen von Empathie für die einheimischen Lebensformen und totalem Desinteresse an Diplomatie. Das war 1898 und die schneidende Sozialkritik des Wissenschaftsjournalisten Wells ganz offensichtlich. Gleichzeitig aber hat er auch das grundsätzliche Dilemma der außerirdischen Begegnung aufgespannt: wie nämlich soll der Fremde aussehen, wenn er nicht Gliedmaßen und Gesicht hat, Gestik, Mimik,  sondern stattdessen meinetwegen Szoork und Fnac, wenn er nicht an uns selbst erinnert, oder wenigstens an irgendetwas, was wir kennen, etwas, in das wir uns hineinversetzen können, sondern eventuell an eine statische Piet-Mondrian-Komposition. Und deswegen sind auch Hollywoods Weltraummonster in aller Regel humanoid und ganz ganz selten eine enorme Portion Götterspeise, oder etwas in dieser Richtung.

Dass also den Außerirdischen von Johannes Braig die Ähnlichkeit zu ihren Betrachtern eignet, hat  seinen Grund nicht nur notwendigerweise in der Natur der Sache, sondern vielmehr dem Umstand, dass sie ja ganz bewusst auf ein Kommunizieren angelegt sind. Nicht, dass sie nicht wirklich fremd genug wirkten. Auch, weil sie sich den Konventionen gängiger Schönheitsideale ganz bewusst verweigerten. Oder sie lustvoll deformierten. Aber ebenso unzweifelhaft nehmen sie Kontakt auf, nicht selten durch den Blick. Ein folgendes Augenpaar, wie es die Malerei der Renaissance für sich kultiviert hatte. Gelegentlich durch das geschlossene Visier eines Helmes. Bei dem man nicht ganz sicher sein kann, ob er nicht irgendwo nonchalant in den Körper übergeht. Und wenn das das eine oder andere genuin weibliche Alien wie Madame Récamier auf die Chaiselongue hingegossen scheint, dann mag man erst auf den zweiten oder dritten Blick verwundert feststellen, dass einem die Menge zusätzlicher Glieder, Fühler, Sensoren und Tentakel eben doch gar nicht so störend erscheint, wie wenn man sich zunächst auf ihre Anwesenheit konzentriert hätte.

Was nicht heißt, dass diese Wesen alle nicht doch sehr fremdartige wären. Manche sind fast skelettiert, bei anderen bildet eine Amplitude, ein Pulsieren von Linien die Gestalt. In denen Farbe dann genüssliche Akzente setzt. Überhaupt scheinen sie ja zwar ihren Ausgangspunkt in beständigen zeichnerischen Versuchen, Notaten, skizzenhaften Untersuchungen zu haben, schaffen dann aber spielend auch den Sprung auf die Leinwand und die lebensgroßen Dimensionen. Und was im Malerischen ganz bewusst zeichnerisch bleibt, linearbetont, Kontur, funktioniert dann doch erstaunlicherweise nicht weniger als Farbenraum. Den man gelegentlich wahlweise durchaus mit bengalisch oder geradezu unverschämt farbenfroh bezeichnen darf. Die Einwohner dieser Bilderwelten wirken fast wie ein Atlas von Erscheinungsformen, Varianten, Unterarten. Überaus bizarr, zuweilen befremdlich, manche spukhaft bis in die Groteske. Aber allesamt von einem überschäumenden funkelnden Humor.

25./26.XI.2017 Gerhard van der Grinten
Gestalt – Bewegung
Figurative Malerei und Zeichnung bei:

Brümmer Physiotherapie

Praxiszentrum Gänsheide

Libanonstraße 4
70184 Stuttgart-Ost (Gänsheide)
www.bruemmer-physiotherapie.de
Johannes Braig – On the Way to Outer Space

Ausstellung in der Kleinen Galerie Bad Waldsee
Eröffnung: 12. März 2017, 11 Uhr
Ausstellung von 12. März bis 23. April 2017

www.bad-waldsee.de
 
… On the Way to Outer Space, Unterwegs im Weltraum, hat Johannes Braig seine Ausstellung betitelt. Der Künstler zeigt einen Querschnitt durch seine aktuelle Werkgruppe von Porträts, die einer Spezies gewidmet ist, die seit jeher unsere Fantasien beschäftigt, unsere Vermutungen einlöst oder wenigstens bekräftigt und die einer unserer größten Sehnsüchte eine Form geben könnte: Die Versicherung, dass wir – die Menschheit – mit unserem Raumschiff Erde nicht allein unterwegs sind in den Weiten des Alls, sondern durchaus Kumpel treffen können, die eben nicht von hier sind. Allein die quälende Frage: sind es wohlgesonnene oder sind es übelwollende hält uns auf Trab, treibt uns in Spekulation, Fantasy und Science Fiction.

Johannes Braig hat die Frage für sich geklärt und stellt uns seine Aliens als Typen wie Du und Ich vor. Seine Aliens unterscheiden sich also gar nicht so sehr von den uns bekannten Lebensformen auf dem Heimatplaneten, zumindest nicht so gravierend wie früher, zu Marsmännchenzeiten, immer angenommen. Sicher, die Formen der Braigschen Außerirdischen wirken manchmal wie durch den Wolf gedreht, ja, verstreckt wie durch die Verzerrungsfilter eines Francis Bacon gesehen und die Farben grell und bunt. Und manche Aliens könnten geradezu Nachbarn sein. Manche könnten – je nachdem in welchem Zustand man gerade durch die Welt geht – sogar als eigenes Spiegelbild durchgehen, etwa nach einer durchfeierten Nacht oder nach groben Schnitzern der kosmetischen Chirurgie, etwa wenn aus einer Nasenkorrektur versehentlich eine Nasenamputation geworden ist.
 

Johannes Braigs Aliens menscheln also sehr. Das aber macht sie dann auch so unwiderstehlich, so vertraut, so sympathisch. Auf jeden Fall erscheinen uns diese Aliens nie so ganz fremd. Und so könnte man durchaus vermuten, dass sie längst unter uns sind, sich assimiliert haben, mit uns kommunizieren. … 

Auszug aus der Eröffnungsrede von Dr. Herbert Köhler [aica], Kunst- und Kulturpublizist




FORM & SPIEL

Dorothee Schraube-Löffler und Johannes Braig
Ausstellung in der Stadtgalerie Sundern







Vernissage: Sonntag, 28. Juni 2015 um 11 Uhr
Einführung: Anne Knapstein, Kuratorin
29. Juni bis 1. August 2015

Stadtgalerie Sundern • Lockweg 3 • 59846 Sundern
e-mail: kunsthaus-knapstein@gmx.de

http://schraubeloeffler.blogspot.de/

Fotos: Niklas Thiemann
Auszug aus der Eröffnungsrede von Andrea Dreher in Erolzheim














… Doch was ist, wenn Sehnsucht und Wirklichkeit aufeinander treffen, wie in den jüngeren Arbeiten dieser Ausstellung geschehen. Stellvertretend hierfür sei das Titelmotiv „Der Kunde ist König“ genannt?
 
Ein Auslöser für diese neue Werkserie waren die großformatigen Porträtfotos des deutschen Fotokünstlers Thomas Ruff und dessen passbildhafte Riesenaufnahmen von über zwei Metern Höhe. Charakteristisch für Ruffs Fotoarbeiten sind die Frontalsicht, fehlende Schatten und höchste Detailschärfe. Ruff erstellt Fotos wie Fahndungsbilder. Nichts bleibt dem Betrachter verborgen, keine Pore, kein Pickel. Ruff nutzt keine Weichzeichner, er verschönt nichts. Diese Einstellung teilt er mit Johannes Braig, der uns seit Jahren regelmäßig den imaginären Spiegel vors Gesicht hält. Komplementär zu seinen Sehnsuchtsbildern entstanden diese Bilder von Köpfen, deren expressive Mimik gnadenlos radikal ist.
 
Begegnen wir einem Menschen, so stellt sich neben der Frage nach der Wirklichkeit im Bild stets die Frage nach der Illusionswirkung unseres eigenen Blicks: Was gaukeln wir uns vor, wenn wir Menschen „auf den ersten Blick“ beurteilen? Sehen wir die Realität? Oder eher das, was wir sehen wollen?
 
Braigs großformatige Köpfe sind eine dezidierte Abkehr vom linearen Stil und eine Hinwendung zum malerischen Stil. Die Linie hat als Ordnungselement ihre Funktion an die Farbe abgegeben, mehr noch, die Farbe besetzt nicht mehr nur die Bildfläche, sondern sie springt dem Auge des Betrachters förmlich entgegen. In den Kopf-Bildern herrscht eine objekthafte Präsenz der Farbe vor. Die Leinwände sind teils plastisch ausgearbeitet und der starke Duktus des Künstlers zeugt von einer klaren Verortung dieser Bilder im Hier und Jetzt.
 
Kann die titelgebende Hommage an den Rokoko auch in diesen Kopf-Bildern greifen, bei denen es um klare Ansagen zu gehen scheint? Ja, denn in der Kunst des Rokoko stand nicht nur das Spiel mit Dekoration und Kulisse im Vordergrund, sondern im Rokoko wurde auf größtmögliche Bildwirkung Wert gelegt.
 
In ihrer Wirkung sind diese Köpfe nicht minder stark als die schemenhaften Figurationen. Ähnlich wie die Figuren entziehen sich auch die Köpfe einer eindeutigen Lesbarkeit im Bild. Diese Gesichter offenbaren ein Stück Wirklichkeit, sie sind entschieden subjektiv, radikal ehrlich, aber zugleich expressive Malerei und kein Fotorealismus. Als ihr Gegenüber werden wir Betrachter in andere Gedankenräume katapultiert, ohne diesen Prozess rational und bewusst steuern zu können. …
Andrea Dreher M.A.


www.marcdecoene.com
Sind Künstler Sinngeneratoren?

Ausstellung bei Oberwelt e.V.
Reinsburgstrasse 93, Stuttgart

www.oberwelt.de 



Ich habe nie behautet, dass Sie das nicht auch können! Aber warum sollten Sie es tun?

In Johannes Braigs Textbildern kommt eine tiefe Verunsicherung gegenüber dem eigenen künstlerischen Tun und den von der Gesellschaft aufgestellten Kunstparametern zum Vorschein. Sie stellen eine visualisierte Reflektion des Künstlers dar, die den Betrachter auf den ersten Blick an selbstgemachte Schilder erinnern, wie sie manchmal an einer Hofdurchfahrt auf dem Land zu finden sind.

Ein Schild gibt einen Hinweis oder eine Warnung. Auf jeden Fall übermittelt es an den Schauenden eine Information. Der moderne Mensch bewegt sich täglich in einem großen Schilderwald, der ihm in komprimierter Form den Weg zu seinen Bedürfnissen weist. Johannes Braig fügt diesen Zeichen seinen persönlichen Schilderwald hinzu. Buchstaben von selbstgemachten Schablonen übertragen, akribisch von Hand ausgemalt, manchmal mit farbigem Übermut überschüttet, geben tiefgründig banalisierte Weisheiten der künstlerischen „Aktivitätsmaschinerie“ bekannt.

Die bildende Kunst birgt die großen Geheimnisse unseres bildlichen Erbes. Der Künstler  beschaut die großen Taten seiner Vorfahren und je länger er das tut, desto fraglicher wird, wie sein Beitrag zu diesem Erbe aussehen kann. Johannes Braig reagiert auf seine Weise: Selbstbefragungen auf Leinwand und Holzbrettern, die vom Kunsteifer befreien sollen, dann aber direkt in die Kunst zurückführen.

So wird aus der Reflektion über Kunst direkt wieder Kunst. Gedankenrecycling in eherne Kunstform gegossen, die auf die Ewigkeit hofft.

… Alle geistige Tat ist ein Halt-Suchen vor der unfaßbaren, allem Denken ewig entgleitenden Fragwürdigkeit des Lebens: ein Halt-Suchen durch die schöpferische Gestaltung im Glauben religiöser Ergriffenheit, im Wissen rationaler Erkenntnis, in reiner Anschauung künstlerischer Formung. …
Dagobert Frey, Kunstwissenschaftliche Grundfragen
Nirgendland

In der Wort-Nuss-Schale U-TOPOS, Utopia, liegt neben "Nirgendland" die Einflüsterung einer genaueren Topographie. Deshalb durchbrachen die alten Erdichter von Harmoniestaaten die Schallmauer der unvollkommenen Wirklichkeit und verpflanzten ihre Utopien auf Inseln, Sonne, Mond und Sterne. Denn irgendwo muss Nirgendwo doch sein, Landkarten mußte es dort so zuverlässig geben wie Berichte und Gemälde. Exakt liegt Utopia im Schnittpunkt des verlorenen Paradieses, des Goldenen Zeitalters, der Insel der Seeligen und der machbaren Wohlstandsreiche. …
(Eugen Skasa-Weiß)
Nie mandsl and

Katalog
(No Man’s Land –Terrain neutre)

Texte: Andrea Dreher, Gerhard van der Grinten
Text: deutsch/englisch/französisch
128 Seiten mit 85 farbigen Abbildungen
23 x 27 cm. Leinen mit Schutzumschlag

Ernst Wasmuth Verlag GmbH & Co. Tübingen • Berlin
ISBN: 978 3 8030 3346 8

Preis: 24.80 € inkl. MwSt. zzgl. Versand

Hemmungslos entleert Johannes Braig Farbtöpfe auf Leinwände, tiefgründig banalisiert er Weisheiten der „Aktivitätsmaschinerie“ des Kunstbetriebs. Zudem schafft er eine ästhetisierende Figuration, in der er sich bewusst an das oberschwäbische Barock anlehnt.
Was auf den ersten Blick als nicht zu vereinender Gegensatz erscheint, verbindet sich bei ihm zu einer spannungsreichen Symbiose. Das Buch Niemandsland zeigt einen Überblick seiner künstlerischen Arbeit der letzten zehn Jahren.