Donata Bil – Kunst von Heute
Film zur Ausstellung "Aliens und Monster" in der Necktar Gallery Stuttgart
Der Realitätsprozeß im künstlerischen Schaffen erfolgt nun grundsätzlich dadurch, daß der geistige Inhalt als ideelle Realität eindeutig und dauernd verknüpft wird mit der objektiven Realität des Materials. In ihm ist dem Künstler von vornherein und unmittelbar das Darstellungsmittel der Verwirklichung gegeben. Das Material erhält aber durch den Akt des Bezeichnens, des Gestaltens eine ihm an sich fremde Bedeutung, es wird zu etwas anderem, es wird durch den Willensakt des Künstlers zu seinem Geschöpf, zum anschaulichen Ausdruck und zur realen Erscheinung jenes hinausprojezierten geistigen Inhaltes. Es ist also für das Kunstwerk wesentlich, dass in ihm zwei verschiedene Realitätsphären verbunden sind, daß erst durch diese Verbindung die Verwirklichung des Kunstwerks erfolgt.
(aus: "Der Realitätscharakter des Kunstwerks" von Dagobert Frey)
… Das Fragen nach der Kunst, das unsere Zeit mit leidenschaftlicher Entdeckerfreude betreibt, hat viele Ursachen. Es setzt voraus, daß das Kunstwerk frag-würdig wurde, sich nicht mehr von selbst versteht, von seinen Aufgaben und Funktionen nicht mehr hinlänglich beglaubigt wird. Vorerst mußte sich also in unserer Einstellung zum Kunstwerk etwas ändern, ehe Bilder und Plastik in den Brennstrahl der Reflexion geraten konnten. Erst seit verhältnimäßig kurzer Zeit – seit der Renaissance, noch intensiver seit der Romantik – wird das Kunstwerk der Verwissenschaftlichung ausgesetzt – das Wort ist ebenso kompliziert wie der Prozess, den es meint –, wird es von Fragen umstellt und in das Gehege von Interpretationen gelockt, die einander die Gültigkeit bestreiten.
Das bedeutet, daß die bisherigen Bestimmungen des Kunstwerks – vornehmlich seine sakralen und dekorativen Funktionen – zurücktreten, daß sich dem Betrachter ein funktionsfreier Raum öffnet, eine Art Niemandsland, das erst allmählich von der ästhetischen Interpretation ausgemessen, begrifflich in Besitz genommen und als das erkannt wird, was es wirklich ist: die Zone, in der das künstlerische Schaffen, auf der Suche nach seiner Selbstbestimmung, sich selbst befragt, oder, weniger überspitzt formuliert, die Zone, in der das Kunstwerk frag-würdig wird. …
(aus: Werner Hofmann, Grundlagen der modernen Kunst)
aus "Die gegenstandslose Welt" von Kasimir Malewitsch
Seit einiger Zeit experimentiert Johannes Braig mit der Wirkung von Interferenzfarben. Es handelt sich um Farben, die ihre Farbigkeit je nach Blickrichtung des Betrachters auf das Bild verändern. Die dichte Malweise löst er auf diesen Bildern zu Gunsten einer lockeren gestischen Verteilung der Farbelemente auf der Fläche auf. Mit den an Ornamente erinnernden Formen modelliert er, ähnlich einem Plastiker/Bildhauer, scheinbar Gesichter oder Figuren auf die Leinwände. Als Fundament bleiben die für ihn typischen monochromen Grundierungen erhalten, auf denen er das Bildgeschehen entwickelt.


Andrea Dreher M.A.