Der Realitätsprozeß im künstlerischen Schaffen erfolgt nun grundsätzlich dadurch, daß der geistige Inhalt als ideelle Realität eindeutig und dauernd verknüpft wird mit der objektiven Realität des Materials. In ihm ist dem Künstler von vornherein und unmittelbar das Darstellungsmittel der Verwirklichung gegeben. Das Material erhält aber durch den Akt des Bezeichnens, des Gestaltens eine ihm an sich fremde Bedeutung, es wird zu etwas anderem, es wird durch den Willensakt des Künstlers zu seinem Geschöpf, zum anschaulichen Ausdruck und zur realen Erscheinung jenes hinausprojezierten geistigen Inhaltes. Es ist also für das Kunstwerk wesentlich, dass in ihm zwei verschiedene Realitätsphären verbunden sind, daß erst durch diese Verbindung die Verwirklichung des Kunstwerks erfolgt.

(aus: "Der Realitätscharakter des Kunstwerks" von Dagobert Frey)