Sind Künstler Sinngeneratoren?

Ausstellung bei Oberwelt e.V.
Reinsburgstrasse 93, Stuttgart

www.oberwelt.de 



Ich habe nie behautet, dass Sie das nicht auch können! Aber warum sollten Sie es tun?

In Johannes Braigs Textbildern kommt eine tiefe Verunsicherung gegenüber dem eigenen künstlerischen Tun und den von der Gesellschaft aufgestellten Kunstparametern zum Vorschein. Sie stellen eine visualisierte Reflektion des Künstlers dar, die den Betrachter auf den ersten Blick an selbstgemachte Schilder erinnern, wie sie manchmal an einer Hofdurchfahrt auf dem Land zu finden sind.

Ein Schild gibt einen Hinweis oder eine Warnung. Auf jeden Fall übermittelt es an den Schauenden eine Information. Der moderne Mensch bewegt sich täglich in einem großen Schilderwald, der ihm in komprimierter Form den Weg zu seinen Bedürfnissen weist. Johannes Braig fügt diesen Zeichen seinen persönlichen Schilderwald hinzu. Buchstaben von selbstgemachten Schablonen übertragen, akribisch von Hand ausgemalt, manchmal mit farbigem Übermut überschüttet, geben tiefgründig banalisierte Weisheiten der künstlerischen „Aktivitätsmaschinerie“ bekannt.

Die bildende Kunst birgt die großen Geheimnisse unseres bildlichen Erbes. Der Künstler  beschaut die großen Taten seiner Vorfahren und je länger er das tut, desto fraglicher wird, wie sein Beitrag zu diesem Erbe aussehen kann. Johannes Braig reagiert auf seine Weise: Selbstbefragungen auf Leinwand und Holzbrettern, die vom Kunsteifer befreien sollen, dann aber direkt in die Kunst zurückführen.

So wird aus der Reflektion über Kunst direkt wieder Kunst. Gedankenrecycling in eherne Kunstform gegossen, die auf die Ewigkeit hofft.